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Markus Schinwald, geboren 1973, vertreten in der Galerie Thaddaeus Ropac, 2011 Vertreter Österreichs auf der Biennale von Venedig, zieht im Interview mit "Forbes Austria" (Ausgabe August 2015) eine ernüchternde Bilanz. "Seit Schinwald 2011 den Österreich-Pavillon bei der Biennale in Venedig bespielt hat, wurde keines seiner Werke hierzulande verkauft", so Forbes. Und der Künstler selbst sagt: "Es gibt hier kaum nennenswerte Sammler sowie keine echte Tradition des Sammelns. Daher liegt auch das Preisniveau unter dem europäischen Durchschnitt. ... Auch eine erfolgreiche Karriere läuft mitunter nicht unendlich weiter. Bei vielen geht es fünf Jahre wirklich super, und dann bricht der Markt ab."

Schinwald ist Laut Forbes, das sich bei seinen Angaben auf artfacts.net stützt, Nummer eins unter Österreichs Nachwuchskünstlern,

 

 

Valie EXPORT (geboren 1940 in Linz), vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Oskar Kokoschka Preis 2000, international bekannt, äußert sich in der Zeitschrift profil (22.7.2015) über ihre Existenzängste:

"profil: Hatten Sie nie Existenzängste, als Sie die „Laufbahn“ einer Performance- und Körperkünstlerin einschlugen? Das kann ja auch schiefgehen.
EXPORT: Existenzängste hatte ich jahrzehntelang, aber wenn ich mich entscheide, Performancekünstlerin, Konzeptkünstlerin und Filmemacherin zu sein, dann muss ich es einfach machen.
profil: Ab wann hatten Sie das Gefühl: Es geht sich aus?
EXPORT: Das ist noch gar nicht so lange her, vielleicht zehn Jahre.
profil: Sie haben die Existenzängste in einem Alter verloren, in dem andere schon in Pension gehen.
EXPORT: Stimmt. Aber es ist sich ausgegangen. Hoffentlich bleibt das so, aber Existenzängste hat man trotzdem immer."

Quasi als Geburtstagsgeschenk zum 75er hat der Linzer Gemeinderat um 700.000 Euro Ihren "Vorlass" angekauft und ein VALIE-EXPORT-Forschungszentrum für Medien- und Performancekunst in Linz gegründet, berichtet profil. Das sollte Valies Existenzängste bis auf weiteres wohl mindern.

 

Valie EXPORT

 

Gerhard Richter sieht die Marktentwicklung distanziert und hält auch Auktionspreise eigener Bilder für überzogen, wie er im Interview mit der ZEIT (22. März 2015) offen eingesteht:

ZEIT: 41 Millionen Euro, das ist die Summe, die neulich ein Sammler auf einer Auktion für eines Ihrer Bilder ausgegeben hat. Damit sind Sie, so heißt es, Europas teuerster Künstler. Freut Sie das?
Richter: Es kommen ja öfter solche Rekordmeldungen, und jedes Mal erschrecke ich mich erst einmal, auch wenn es ja eigentlich schöne, erfreuliche Nachrichten sind. Die Summe aber, die hat etwas Schockierendes. Sie wissen ja, der ganze Markt für Kunst ist so hoffnungslos überzogen. Es hat allerdings keinen Zweck, sich darüber zu ärgern. Man steht einfach davor, und es ist unverständlich, so wie für mich Chinesisch oder Physik unverständlich sind.

ZEIT: Können Sie denn erklären, warum jetzt ausgerechnet das Abstrakte Bild von 1986 einen Rekordpreis erzielte? Ist es besonders gut?
Richter: Es ist schon ziemlich gut, soweit ich mich erinnere. Ich habe es allerdings ewig nicht mehr gesehen.

ZEIT: Sagt der Preis also etwas über die Qualität?
Richter: Das wäre natürlich schön. Manchmal ist es so, da bestätigen die Auktionsergebnisse mein Urteil über ein Kunstwerk, manchmal ist es auch überhaupt nicht so. Als letztes Jahr mein Bild vom Domplatz in Mailand knapp 29 Millionen Euro brachte, kam mir das seltsam vor. Das Bild finde ich nicht so doll, auch wenn es mich zu vielen weiteren Städtebildern angeregt hat. Als ich hörte, wie viel es auf der Auktion gekostet hat, dachte ich: Oh, das ist aber völlig überbezahlt.

 

Auf die Frage "Inwieweit unterscheidet sich der Kunstmarkt vom Finanzmarkt?" antwortet Gerald Nestler, Absolvent der Akademie der bildenden Künste Wien und 1995-97 selbst Börsenmakler: "Der Unterschied ist gigantisch, weil man behaupten könnte, dass Finanzmärkte Märkte sind - zumindest in der Theorie -, wo Angebot und Nachfrage bestimmen. Beim Kunstmarkt geht es überhaupt nicht um Angebot und Nachfrage. Auch wenn das manche behaupten. Der Kunstmarkt ist kein klassischer markt. Da geht es um Aufmerksamkeitsebenen, was aber wiederum nichts über Qualität sagt."

Über seine Zeit als Börsenmakler sagt er: "Damals war ich der Meinung, dass die Zwei Jahre als Broker so interessant waren wie fünf Jahre in der Kunst. Es war ein extrem emotionales Feld, obwohl es immer geheißen hat, Märkte sind rational. Man muss irrsinnig schnell handeln und den Mut haben, Dinge zu tun, über die man nichts weiß. Das Absurde ist, die Kunst hat mir geholfen, intuitiv zu agieren. ... Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem ich dachte, jetzt hab ich genug mitbekommen. Lieber verdiene ich kein Geld, sondern denke über Geld nach und mache Kunst über das Thema. Und so ist es bis heute. Fauf und runter." (Wiener Journal, 26. Juni 2015, S. 20 ff)

 

Guerilla Girl "Frida Kahlo" im Interview mit Der Standard (21.1.2015): "... Wir glauben, dass der Kunstmarkt korrumpiert ist. Aber wir wurden 2014 gefragt, ob wir an der von Popmusiker Pharrell Williams kuratierten Schau "Girl" in der Pariser Galerie Perrotin teilnehmen möchten. Die Chance wollten wir nutzen, um die Musikindustrie und die Galerie selbst zu kritisieren, und reichten zwei sehr kontroversielle Vorschläge ein. Seither haben wir nie wieder etwas von ihnen gehört. ...

STANDARD: Eine in Berlin und London niedergelassene Galeristin sagte einmal, männliche Künstler seien eher bereit, Zugeständnisse zu machen und auf Anforderungen des Marktes zu reagieren; Frauen seien kritischer und entschieden sich dazu, dem nicht zu entsprechen.

Frida Kahlo: Ich finde das ziemlich reaktionär, diese Sichtweise beschränkt. Ein trauriger Kommentar zur Kultur, wenn diese vom Markt bestimmt wird. Selbstverständlich braucht die Galeristin eine Meinung, die ihre finanziellen Interessen stützt. Sammler und Galeristen schreiben aber keine Kulturgeschichte, sie filtern lediglich.

STANDARD: Heute, wo die Museen noch mehr vom Markt und privaten Sammlern abhängig sind, wäre die Konsequenz dessen, dass Frauen keine Kompromisse machen wollen, ja noch gravierender. Die Situation für Künstlerinnen wäre noch schwieriger.

Frida Kahlo: Es ist verrückt. Wenn Kunst von Frauen im Wert unterschätzt ist, warum investieren Kapitalisten eigentlich nicht in sie? Sie ist doch billig. Die Kunstwelt ist doch fähig, einen Boom zu erzeugen, mit dem dann die Preise steigen. (lacht) Aber ich will damit nicht sagen, dass ich diese Idee für gut befinde."

 

Eric Fischl im Interview mit der ZEIT (9/2014): "ZEIT: Wann zog das Gelddenken in die Kunst ein?

Fischl: Ich erinnere mich noch ziemlich genau an den Tag, es war Ende der achtziger Jahre, als ich an einer Universität einen Vortrag hielt und die erste Frage der Studenten war: Muss ich mit meinem Galeristen einen Vertrag schließen? Die zweite: Wer bezahlt die Rahmen? Es waren ökonomische Fragen. Vorher hatten mich Feministinnen gefragt, ob ich nicht doch ein Chauvi sei, Marxisten hatten gefragt, ob ich nicht nur das bourgeoise Leben abmalen würde. Auch gab es viel Streit darum, ob man heutzutage überhaupt noch malen dürfe. Doch nichts davon kam jetzt zur Sprache, nur Business-Fragen. Welche Strategie ist die richtige? Wie werde ich eine Marke? Da merkte ich: Wir erleben einen Gezeitenwechsel."

 

express.de (15.10.2011) zitiert Gerhard Richter: Das Gemälde einer brennenden Kerze des Kölner Künstlers (79) hat bei einer Versteigerung in London gut 12 Millionen Euro eingebracht. Das Bild von 1982 trägt den Titel „Kerze“ und kam am späten Freitagabend beim Auktionshaus Christie's unter den Hammer. Es erzielte mit 10.457.250 britischen Pfund (11,98 Millionen Euro) den höchsten Preis bei der Londoner Christie's-Herbstauktion von Nachkriegskunst und zeitgenössischen Werken. Anfang Oktober, als sich bereits abzeichnete, dass das Bild etwa 10 Millionen Euro einbringen könnte, kommentierte der scheue Gerhard Richter diesen hohen Preis mit den Worten: „Das ist genauso absurd wie die Bankenkrise - unverständlich, albern, unangenehm.

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