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8. Juli 2005 - Wenn der Ökostromzuschlag die energieintensive Industrie „umbringt“, so wie das Nettingsdorfer-Vorstand Ferdinand Fuhrmann am 7.Juli im WiBl-Interview behauptet hat, dann muss die Frage erlaubt sein, auf welch dünner Kapitaldecke sich diese Unternehmen eigentlich bewegen. Laut Fuhrmann gibt es eine Handvoll Industriebetriebe die „mehr als eine Million Euro nur für die Abgabe zahlen“. Mit dieser Summe kann er vielleicht schlichte Gemüter schockieren, aber Entscheidungsträger, die das WirtschaftsBlatt lesen, werden sicher wissen, dass diese Beträge in Relation zu den Gesamtenergiekosten einen marginalen Anteil ausmachen. Wenn aber ein paar Prozent der Gesamtenergiekosten imstande sind, einen Konzern wie Nettingsdorfer „umzubringen“, dann müssten allerdings bei allen Aktionären dieses Unternehmens die Alarmglocken läuten.

Um hier die Relationen ins richtige Licht zu rücken: ein Industriebetrieb, der eine Million Euro Ökostromzuschlag zahlt, hat hochgerechnet Gesamtstromkosten von 20 bis 30 Millionen Euro. Ein Manager, der seine Strategie darauf fokussiert, wie er weniger als fünf Prozent der Gesamtkosten um fünfzig Prozent senken kann (Fuhrmann wörtlich: „Die Belastung muss auf die Hälfte runter“) muss sich fragen lassen, ob er an der richtigen Stelle ansetzt. Als Aktionär so eines Unternehmens würde ich mich jedenfalls fragen, ob die Panikmache des Vorstands tiefer gehende Probleme dieses Unternehmens kaschieren soll.

Abschließend malt Fuhrmann den Ökostrom-Teufel mit der Arbeitsplatzkeule an die Wand: „Es geht um die Existenz von mehreren tausend Jobs“. Dieses Argument mag den einen oder anderen Gewerkschaftsfunktionär freuen, die Aktionäre wiederum müssten daraus ihre eigenen Schlüsse ziehen, denn seit der Industriellen Revolution gehört Rationalisierung zum Grundprinzip jeder Industrieproduktion. Wenn da der Vorstand eines Industriebetriebs mit drohendem Jobabbau argumentiert, so ist das ein weiteres Zeichen, dass er in seiner Managementposition überfordert ist. Panikmacher haben in Managementpositionen einfach nichts verloren. Umso mehr, wenn sie aus der enormen Kosteneinsparung, die die Strommarktliberalisierung zu aller erst den energieintensiven Industriebetrieben gebracht hat, keinen nachhaltigen Gewinn für ihr Unternehmen ziehen konnten.

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