logo

bild

Wien (03. Dezember 2003) - Die IG Galerien hat Helmut A. Gansterer mit dem Award "Kunstmediator 2003" ausgezeichnet. Der Award in Form einer Skulptur von Franz Wieser wurde gestern, Dienstagabend im Rahmen der Wiener Kunstgespräche verliehen. Gansterer bedankte sich mit dem Hinweis, dass diese Auszeichnung neben zahlreichen Prämien aus Wirtschaft und Politik für ihn eine besondere Ehre sei, da er in den vergangenen 15 Jahren eine intensive Beziehung zur Kunst aufgebaut hat. Sein Lebensmotto fand Gansterer in den Worten des Nobelpreisträgers Joseph Brodsky: "Am Ende unserer Tage wird uns die Kunst das Wichtigste gewesen sein."

Laudatio Sie haben im profil dieser Woche den lieben Galeristinnen und Galeristen ein paar Watschen ausgeteilt. Aufgrund meiner katholischen Sozialisation bin ich gerne bereit, Ihnen hier auch meine andere Wange hin zu halten. Sie haben in Ihrem Kommentar "Wir basteln eine Galerie" darauf hingewiesen, dass "Galeristen" im Wiener Slang "Unterweltler" sind - mit Tante Jolesch möchte ich hier ergänzen: Noch ein Glück, wenn Sie keine Hinterweltler sind.

Hinterweltlerisch sind tatsächlich sehr viele Galeristen, die in ihrem Elfenbeinturm eine Gegenwelt aufbauen und meinen, im Olymp der Kunstwelt zu hause zu sein. Das Publikum findet Eintritt in diesen Olymp nur über sehr hohe Schwellen. In der weihevollen Aura des Kunst-Olymps sind scheinbar banale Fragen unerwünscht: Von wem stammt das Bild? Wer ist das? Warum kostet das soviel?

Die scheinbare Banalität dieser Fragen ist aber die Brücke zu dieser Welt, in der nicht das Kunstwerk an sich ein Eigenleben führt, sondern das Kunstwerk zu einem Objekt der Begierde, zu einem Prestigeobjekt, zu einem Wertgegenstand oder einfach zu einer wunderschönen Bereicherung des täglichen Lebens wird. Sie, Herr Gansterer, schaffen es immer wieder in Ihren Wirtschaftsessays die Brücke zu dieser Welt herzustellen.

In Ihrem Essay "Die Kunst, die Kunst zu verstehen" weisen Sie darauf hin, dass in der Wirtschaft "Gold und Kunst als Sachanlage" mittlerweile "in hohem Ansehen stehen". Kunstkritiker und Vertreter der reinen Kunsttheorie rümpfen bei solchen Ausführungen ihre hoch erhobene Nase - bestenfalls könnten Sie dafür ein mitleidiges Lächeln ernten. Wir glauben aber, dass Sie mit solch einfachen, aber keinesfalls banalen, Zusammenhängen Brücken zwischen zwei Welten bauen, die einander brauchen: Die visionäre Welt der Künstler und die pragmatisch-gewinnorientierte Welt der Unternehmer.

In diesem Essay kommen Sie auch zu dem Schluss, dass für viele Firmen die Kunst bereits "ein unverzichtbarer Teil der Unternehmenskulur" ist, und dass sich "die Qualität der Kunst, mit der sich Firmen umgeben und beschäftigen, deutlich erhöht" hat. Auch hier würde der klassische Kunstkritiker wahrscheinlich bemängeln, diese Diagnose habe zu wenig Tiefgang. Wir halten dem entgegen: Welchen Tiefgang braucht eine Brücke? Sie braucht vielmehr ein stabiles Fundament.

Wir finden dieses Fundament in Ihren Essays immer wieder in Form eines felsenfesten Optimismus, sowohl Wirtschafts-Optimismus als auch Kultur-Optimismus, der natürlich dem tendenziell innewohnenden Kultur-Pessimismus der Kunstkritik diametral entgegen steht.

Mit dem Award "Kunstmediator 2003" wollte die IG Galerien darauf hinweisen, dass Sie, eine Brückenfunktion einnehmen, die für den Kunstmarkt von enormer Bedeutung ist. Wobei sich der Titel "Mediator" nicht nur auf Ihre Position als Medienprofi und Herausgeber des trend bezieht, sondern natürlich auch auf das Thema "Mediation", das ja in der Wirtschaft als außergerichtliche Streitbereinigung zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Auch in diesem Sinne sind Sie aus Sicht der IG Galerien ein hervorragender Mediator, der auch immer wieder in die Rolle eines Aufklärers schlüpft. Wenn Sie Ihre Leser auch mal mit einer Schlagzeile wie "Geiz ist geisteskrank" provozieren, so ist das eine Kampfansage gegen eine stupide, für viele aber zur Weltanschauung gewordene Spargesinnung. Wir hören ja auch von der Politik als Alternative zur sinnlosen Geldvergeudung immer nur die Parole: Sparen, sparen und nochmals sparen. Warum hören wir nie von seiten der Politik: Wir müssen das Geld sinnvoll investieren, richtig investieren, nachhaltig investieren?

Wir hören es zwar nicht von den Politikern, wir lesen es aber immer wieder mit großem Vergnügen in Ihren Essays. Die IG Galerien hat sich daher einstimmig dafür entschieden, Ihnen Herr Gansterer, den Award "Kunstmediator 2003" in Form dieser Skulptur von Franz Wieser zu überreichen.

 

120 Hoffmann

Albert Hoffmann

Vernissage: 14.10.19

Kunstmarkt-Formel

INexpensive ART