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Vernissage der Ausstellung: 19. Mai 2008 um 18.00 Uhr
Bei dieser Ausstellung fällt es schwer, ohne Schlagworte wie "Powerfrauen" oder Generation 60+” auszukommen. Doch ist die Kraft und die Dynamik dieser drei Powerfrauen der Generation 60+ so ausgeprägt, dass man hinter die Kulissen schauen muss um zu erfahren, wo und wie diese Künstlerinnen ihre Energie tanken. Da gibt es bei allen drei Künstlerinnen eine rege internationale Reisetätigkeit und damit verbunden intensiven künstlerischen Austausch. Aber es gibt auch einen scheinbar banalen Grund: Die Last des Broterwerbs gehört der Vergangenheit an, wenigstens ein miminales Grundeinkommen ist erstmals mit 60+ gesichert.

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Ich halte das in Wahrheit nicht für banal, sondern für so elementar, dass ich daraus ein politisches Plädoyer ableiten möchte und zwar für die Pensionsharmonisierung. Nicht die Pensionsharmonisierung, die uns unsere Regierung vor einigen Jahren verkauft hat, die nichts anderes gebracht hat als da ein paar Prozent mehr, dort ein paar Prozent weniger, und Hauptsache für die Beamten bleibt alles beim Alten. Ja, noch Eines: für Mütter mit Mehr-lings-geburten gibt es nun Ausnahmen bei der Anrechnung der Pensionsjahre. Das ist aber schon wieder ungerecht, denn wenn Mütter mit mehr Linksgeburten bevorzugt werden, dann ist das gleichzeitig eine Diskriminierung von Müttern mit mehr Rechtsgeburten!
 
Kurz und gut, was uns die Poltitk bisher als Pensionsharmonisierung verkauft hat, verdient diesen Namen nicht. Deshalb möchte ich hier die Vision einer Pensionsharmonisierung präsentieren, die fundamentaler ist, als alle bisherigen Modelle.
 
Was ist die Grundlage meiner Vision? Derzeit ist die Grundlage einer Pension der Job, den jemand bis zur Pension inne hatte. Und wer keinen Arbeitsplatz hatte, der hat auch keinen Anspruch auf Pension. Ich muss ehrlich sagen, ich finde das Menschen verachtend. Es wird wohl nie möglich sein, die Arbeit jedes Menschen gleich zu bewerten und zu bezahlen. Wenn wir aber über die Pension sprechen, sollten wir nicht fragen, was hat er/sie bisher verdient, und welchen Anspruch darf er/sie daraus ableiten, sondern wir sollten fragen: Was hat er/sie für die Gesellschaft geleistet. Und ich behaupte, wenn jemand 60 oder 65 Jahre ist, hat er/sie seinen/ihren spezifischen Beitrag für die Gesellschaft auf jeden Fall geleistet und egal in welcher Position er/sie vorher war, der Beitrag für die Gesellschaft ist in jedem Fall gleich viel Wert. Bei einer echten Pensionsharmonisierung müsste es daher um den gesellschaftlichen Wert, um die Wertschätzung des Alters gehen, nicht um den Marktwert bisher erbrachter Arbeitsleistungen. Kurz: Die Basis der egalitären Pensionsharmonisierung sollten ethische Überlegungen bilden und nicht ökonomische.
 
Die ökonomischen Faktoren für die Berechnung der Pensionen sind nur insofern von Bedeutung, als man einmal jährlich feststellen muss, wieviel im Pensionstopf drinnen ist, und wieviel man im folgenden Jahr auszahlen kann. Und das, was im Topf ist, muss unter allen Pensionisten gleich aufgeteilt werden, denn man kann die Arbeit eines Bankdirektors ökonomisch anders bewerten als die Arbeit seiner Putzfrau, aber ich halte es für moralisch unzulässig, die gesellschaftliche Leistung dieser Putzfrau niedriger zu bewerten als die gesellschaftliche Leistung eines Managers. Eine Pensionsharmonisierung, die der Würde des Menschen gerecht wird, müsste diese moralischen Grundsätze berücksichtigen.
Aber wer wird denn auf seine "wohlerworbenen" Rechte verzichten? Gerade jene, die es in ihrem Berufsleben geschafft haben, sich Wohlstand aufzubauen, werden wohl auch in der Pension fähig sein, ihren Wohlstand zu erhalten. Aber jene, die ihr ganzes Leben lang – aus welchen Gründen auch immer – außerhalb der entlohnten Arbeitswelt gelebt haben oder am Rande des Existenzminimums leben mussten, sollen wenigstens die Chance haben, in Würde ihre letzte Lebensperiode zu verbringen.
 
Ethisch betrachtet ist die Leistung eines Sandlers, - und damit komme ich wieder zurück zu den Künstlern: Sandzeichen ist ja das Thema dieser Ausstellung - der uns vor Augen führt, dass wir auch wie freie Vögel leben könnten, für unsere Gesellschaft nicht weniger wert, als die Leistung eines Topmanagers, was immer diese Kaste unter "Leistung" verstehen mag. (Tatsache ist, dass immer mehr Manager immer weniger Unternehmer-Qualitäten haben, dafür umso stärkere Nehmer-Qualitäten.) Wie auch immer, alle mit der Wirtschaft verknüpften Prozesse lassen sich ökonomisch bewerten und dem entsprechend bezahlen, der Übertritt in die Pension ist aber der Austritt aus diesen Wirtschaftsprozessen und der Eintritt in eine Lebensphase, in der sich die Gesellschaft für die Leistungen bedankt, die die Pensionisten bis zu einem gewissen Zeitpunkt, bis zum 60. oder 65. Lebensjahr, erbracht haben. Dies also verkünden die Sandzeichen: Eine Pensionsharmonisierung, die auf dem würdevollen Umgang mit der älteren Generation basiert, in der alle Pensionisten für ihre unterschiedlichen Lebens-Leistungen die gleiche Anerkennung erhalten damit sie wenigstens in der Pension ihr ganzes Potenzial – unter Künstlern: ihr ganzes kreatives Potenzial – ausschöpfen können.

300 Leonjtew Leben