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Doppelsinnung und „alltagstauglich, beispielgesättigt, philosophisch begründet, leicht verständlich und unterhaltsam“, so der Verlag, ist das Buch „MORAL. Wie man richtig gut lebt“ von Rainer Erlinger. Der Autor, geboren 1965, ist Mediziner und Jurist. Nach seinen Tätigkeiten als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Arzt und Rechtsanwalt arbeitet er jetzt als Publizist vor allem auf dem Gebiet der Ethik. Einem großen Publikum ist er durch seine Kolumne »Die Gewissensfrage« im Magazin der »Süddeutschen Zeitung« bekannt geworden, in der er allwöchentlich die kleinen und großen Ethikprobleme seiner Leser erörtert. Im S. Fischer Verlag ist zuletzt erschienen ›Höflichkeit. Vom Wert einer wertlosen Tugend‹ (2016), ›Moral. Wie man richtig gut lebt‹ (2012), sowie im Fischer Taschenbuch ›Gewissensbisse. Antworten auf moralische Fragen des Alltags‹ (2011) und ›Nachdenken über Moral. Gewissensfragen auf den Grund gegangen‹ (2012).

 

Polygamie ist im christlichen Abendland, in dem die Treue zum einzigen Partner „bis dass der Tod euch scheide“ immer noch als höchstes Gut gepredigt wird, theoretisch geächtet, in der Praxis jedoch Alltag fast jeder Beziehung. Unter dem Begriff „Polyamorie“ versuchen nun viele Vertreter von offenen Beziehungen dieses Phänomen neu zu bewerten. „Liebe und Sex machen glücklich – darum sollte jeder so viel wie möglich davon haben. Und zwar nicht nur mit einem Partner“, schreiben die Autoren des Buches „Schlampen mit Moral: Eine praktische Anleitung für Polyamorie, offene Beziehungen und andere Abenteuer“, Dossie Easton und Janet Hardy.

 

Reine Liebe: „Weltweit schreien Menschen nach einer sexuellen Revolution! Entgegen der sexuellen Revolution der 60er Jahre schätzt diese neue Revolution Reinheit und die Ehe. Diese Revolution sieht Perversion als Sünde, und ist somit keine gesellschaftliche akzeptierte, postmoderne Mentalität. Die Menschen müssen wissen, dass sie den Gruppenzwang verzerrter kultureller Werte überwinden können, und dass sie selbstbestimmt ein Gelübte der Reinheit ablegen können.“ So schreibt der Verlag über das Buch „Moral Revolution: Die nackte Wahrheit über sexuelle Reinheit“ von Kris Vallotton und Jason Vallotton, das im Dezember 2014 erschienen ist.

 

Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“ von Anatol Stefanowitsch ist im März 2018 erschienen. Der Autor ist Sprachwissenschaftler und Blogger, er analysiert die aufgeheizten Debatten der vergangenen Jahre: „Gerechte Sprache allein schafft noch keine gerechte Welt. Aber indem wir sie verwenden, zeigen wir, dass wir eine gerechte Welt überhaupt wollen." Details siehe amazon

 

Alexander Grau, Autor der Kolumne „Grauzone“ auf cicero.de, zupft dazu den Kontrabass. Sein Verlag bewirbt dessen Buch „Hypermoral: Die neue Lust an der Empörung“, erschienen im Februar 2018: „Wir leben im Zeitalter der Hypermoral. Moral ist zur Leitideologie und zum Religionsersatz unserer postreligiösen Gesellschaft mutiert. Moral ist absolut geworden, sie duldet keine anderen Diskurse neben sich. So wird aus Moral die Tyrannei der Werte: Minderheitenkult, Kränkungsfetischismus, Gleichheitsideologie. Politik, Wirtschaft, Kunst – alles wird auf moralische Fragen reduziert.“ (Quelle: amazon) Ich zweifle keine Sekunde, dass der Verlag damit das Buch auf seine Quintessenz eingedampft hat und bin somit sicher, dass auf den 128 in Hardcover gepressten Seiten keine Vertiefung dieser oberflächlichen Beurteilung des Zeitgeistes möglich ist.

 

Moral und Hypermoral“ hat Arnold Gehlen übrigens schon 1969 publiziert.

 

250 Moral Bischof

DER BISCHOF

Norbert Bischof, Autor des epochalen Standardwerkes „Moral. Ihre Natur, ihre Dynamik und ihr Schatten“, erschienen 2012, erwartet „von der philosophischen Ethik allenfalls kritische Einwände und vor allem lohnende Fragestellungen, aber nicht die Kompetenz, darauf auch belastbare Antworten zu geben“. Der Universalgelehrte Bischof hat zwar die Moral aus allen Blickwinkeln der Philosophie, Psychologie und Verhaltensphysiologie bis in die letzten Winkel beleuchtet, doch den grundsätzlichen Unterschied zwischen Moralen und Ethik nicht in Betracht gezogen. So hat er auch übersehen, dass die Philosophie eine Antwort zur Lösung, ja sogar zur Auflösung des Schuldproblems kennt. Das philosophische Synonym für Schuld, das diesen negativen Begriff vollständig ersetzen kann – nein, schon längst ersetzt hat, ist die Verantwortung! 

 

"Dieses Buch handelt von der nobelsten Errungenschaft der menschlichen Kultur. Es handelt von einem erbarmungslosen Mordinstrument, dem mehr Menschen zum Opfer gefallen sind als den schlimmsten Naturkatastrophen. Es handelt von einem Schatz, dessen Glanz Festredner beschwören, ohne die Schlangen und Skorpione zu bemerken, die sich unter ihm sammeln. Es handelt von Gut und Böse, die sich als Antipoden gebärden und doch nur zwei Seiten derselben Sache sind. Es handelt von der Moral." Nicht nur die Einleitung, sondern jedes Kapitel mit raffinierten Überleitungen regt an zum Weiterlesen: Details siehe...

 

 

Siehe auch: Aufruf zur moralischen Alphabetisierung Europas

 

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Transhumanismus

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Tatyana Leys