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Zur Eröffnung der Sommer-Ausstellung AKTE im Kunstraum der Ringstrassen Galerien am Mittwoch, 1. Juli 2015

Wer den Mut hat den nackten Tatsachen in die Augen zu schauen, kommt nicht an der Lektüre der Krone des Journalismus vorbei. Die Krone ist immer noch das Zentralorgan der nackten Wahrheit. Und wer sie liest muss unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass diese Welt von nackter Gewalt regiert wird.

 

NackteTatsachen HT

 

„Lehrer tötet vor Augen der Schüler Kaninchen“

 

so der aktuellste Aufmacher. Das steht zwar in HEUTE von heute, aber HEUTE ist ja nur ein Klon der Zeitung mit der größten Auflage Österreichs. Deshalb heißt sie ja Klonenzeitung. In der Ausgabe vom Sonntag (28.6.) war der Aufmacher:

 

„Schwarzer Tag für Griechenland“
Nächste Story:
„Neuer Skandal: So kassiert die Mafia Gelder für die Flüchtlinge“

 

Der Boulevard ist aber auch nicht mehr das, was er einmal war. Heute lauert ja hinter jeder Schlagzeile ein Jurist auf eine passende Gelegenheit das Blatt zu verklagen. Dagegen schützen sich die Medien mit dem obligatorischen Zusatz: Es gilt die Unschuldsvermutung. Das liest sich dann etwas schaumgebremst:

Athen hat den Bogen überspannt -  Es gilt die Unschuldsvermutung
Neun Gläubige in Kirche getötet -  Es gilt die Unschuldsvermutung
Antibiotika statt Blindarm-Operation -  Es gilt die Unschuldsvermutung

 

„Macht Helmuth Lohners Tod Sie nachdenklich?“ (28.6.2015, S 44/45) Ich würde sagen, für einen Journalisten, der so eine Frage an Otto Schenk für die Krone ausschlachtet, kann keine Unschludsvermutung mehr gelten!

 

Apropos schlachten: HEUTE kann schon am 2.7. vermelden:
„Kaninchen getötet: Nun droht Lehrer Rauswurf“
Hier geht es nicht mehr um die Hetze von Medien oder "politisch korrekter" Eltern gegen einen Lehrer, sondern um die mittlerweile alltäglich gewordene Verlogenheit unserer Gesellschaft. Ich kann mich hier nur an die Fakten aus Sicht von HEUTE halten: „Ein Bio-Lehrer, privater Kaninchenzüchter, brachte am Montag ein Karnickel in den Unterricht einer 4. Klasse, tötete es mit einem Bolzenschuss-Apparat und sezierte es, um den Jugenlichen dann den Körperaufbau des Tieres zu zeigen. … Dem Professor dürfte jetzt wegen seiner makabren Lehrmethoden selbst eine Lektion erteilt werden: Die Bezirkshauptmannschaft leitete ein Strafverfahren ein. Überdies muss der Lehrer nächste Woche beim Landesschulrat zum Rapport...“ (HEUTE 1.7.15, S. 8)
Was ist hier strafbar? Tiere gesetzeskonform zu töten? Tiere zu verspeisen? Praktischer Anschauungsunterricht? Jugendlichen, die mit Kriegsspielen und -videos  aufwachsen, einen echten  Bolzenschuss-Apparat vorzuführen? HEUTE wird es uns sicher demnächst berichten, in der Ausgabe vom 2.7. wird die BH Horn zitiert: „Dem Professor droht eine Verwaltungsstrafe von bis zu 7.500 € oder vor einem Gericht bis zu ein Jahr Gefängnis.“ (S. 10)

 

Ein weiteres Schlüsselwort, mit dem sich Journalisten gegen klagswütige Juristen schützen, ist „mutmaßlich“, z.B.

Mutmaßlicher Amokfahrer tötet vier Menschen

 

Auch in Politik-Berichten sind Mutmaßungen immer öfter zu finden:
Mutmaßlicher Bundeskanzler Faymann drängt Tsipras zu Kompromiss
oder
Mutmaßliche Frauenministerin fordert Anti-Grapsch-Gesetz

 

Wenn Grapschen ins Strafgesetzbuch kommt, so halte ich das nicht für eine Errungenschaft der Frauenpolitik, sondern für das Scheitern einer etwa 100jährigen Emanzipationsgeschichte. Strafrecht - d.h. Grapschen wird verhandelt in einer Reihe von Mord und Totschag! Wenn eine empanzipierte Frau heute nicht imstande ist, das Grapschen eines Lüstlings mit einer „gsunden Watschen“ zu beantworten, so sind offenbar ein paar grundlegende Ideen von Bertha von Suttner bis Rosa Luxemburg in den Köpfen der „Mädchen“ und „Fräuleins“ des beginnenden 21. Jahrhunderts nicht angekommen. Oder sind sie gar so wohlerzogen, dass sie sich mit einer „gsunden Watschen“ nicht strafbar machen wollen?

 

300 Leonjtew Leben