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Ergänzung Januar 2013: Mit ein paar Monaten Zeitverzögerung hat die Medienwelt offenbar ihre Kritikfähigkeit zurück gewonnen.In der Ausgabe vom 14.1.2013 schreibt die WirtschaftsWoche in einer umfangreichen Reportage über den "Fluch des Erfolgs" bei Apple: "Das iPhone 5 mit seinem geringfügig vergrößerten Display gilt trotz guter Absatzzahlen als eines der langweiligsten Apple-Produkte seit Jahren."

13. September 2012 - Apple präsentiert die neueste Ausgabe seines iPhones und die Weltpresse inklusive der österreichischen Qualitätszeitungen überschlagen sich in ihrer Hofberichterstattung. Der Standard bringt ein Bild des Gerätes auf der Titelseite und jubelt „Das iPhone 5: Größer, leichter und flacher“. Die Presse übertrifft den Standard in der Zahl der sensationslüsternen Attribute: „Schlanker, leichter, schneller und mit größerem Touchscreen“ – gibt sich in einem Nebensatz aber betont sachlich, fast schon ketzerisch: „Das iPhone 5 erfüllt die Erwartungen – aber mehr nicht.“ Auch hier das neueste iPhone als unvermeidliches Foto. Dahinter schräg eingeblendet eine Diners Club Karte. Wo endet die Werbung, wo beginnt der Bericht – diese Frage muss hier offen bleiben. Der Kurier gibt sich angesichts dieser iPhone-Hysterie geradezu nüchtern: hier ist das obligatorische iPhone-Foto erst auf der Aufmacherseite der Wirtschafts-Rubrik und der Subtitel lässt immerhin wissen, wann das Gerät in den Handel kommt: „Das ab 28. September erhältliche Handy bringt Neuerungen bei Bildschirm, Software und Design“. Steve Jobs schau owa! Deine Nachfolger haben von dir gelernt! Man tut so, als hätte man was Neues, informiert damit die Weltpresse und lässt den Kunden dann noch zwei Wochen zappeln. So ist die Presse zufrieden, dass sie „exklusiv“ und „vorab“ die heißesten News rapportieren darf und der Konsument ist glücklich, wenn er endlich, endlich sein neuestes Spielzeug kaufen darf.

IPhone5-Presse 500

Diese Art der Hofberichterstattung habe ich am 13.9. in Briefen an die Chefredakteure der genannten Medien zum Thema gemacht:

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Sehr geehrter Herr Nowak,

wie ist es möglich, dass Die Presse (Ausgabe 13.9.2012) auf der Titelseite hemmungslos das iPhone promotet? Gleich dahinter die Diners Club Karte. Wie bitte kann der Leser hier Werbung von „Redaktion“ unterscheiden? Gerne möchte ich bei der Gelegenheit darum ersuchen, in einer der nächsten Ausgaben an der gleichen Stelle meinen Kunstkrimi „Das Testament des Damien First“ zu bewerben. Ich kann Ihnen garantieren, dass dieses Buch mit Illustrationen von Ernst Zdrahal 100 mal mehr Innovationen und originelle Lösungen enthält, als das fünf Jahre alte iPhone in der Version Nummer 5. Damit Sie (oder eine/r Ihrer RedakteurInnen ) diese Aussage auch umgehend überprüfen können (wie man das eben von kritischen Medien gewohnt ist), in der Beilage das Buch als pdf. So wie das iPhone ist das Buch übrigens auch noch nicht erschienen, Sie können sich den Bericht über „Damien First“ daher exklusiv sichern!

Mit besten Grüßen, HT

3.10.2012 Sehr geehrter Herr Thurnhofer,

vorab: danke für die Übersendung Ihres Krimis, den schauen wir uns gerne an.

Was die Berichterstattung über das i-Phone betrifft, so wissen wir aus allen
Umfragen und User-Zahlen, dass das Interesse aller jungen Leser am neuen i-Phone
enorm ist. Zudem haben wir darüber auch kritisch berichtet.

Mit freundlichen Grüßen
Rainer Nowak

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Sehr geehrte Frau Föderl-Schmid,

wie ist es möglich, dass Der Standard (Ausgabe 13.9.2012) auf der Titelseite das iPhone völlig kritiklos mit „Größer, leichter, flacher“ bejubelt? Nach welchen Richtlinien wird in Der Standard Werbung von „Redaktion“ unterschieden? Gerne möchte ich bei der Gelegenheit darum ersuchen, in einer der nächsten Ausgaben an der gleichen Stelle meinen Kunstkrimi „Das Testament des Damien First“ zu bewerben. Ich kann Ihnen garantieren, dass dieses Buch mit Illustrationen von Ernst Zdrahal 100 mal mehr Innovationen und originelle Lösungen enthält, als das fünf Jahre alte iPhone in der Version Nummer 5. Damit Sie (oder eine/r Ihrer RedakteurInnen ) diese Aussage auch umgehend überprüfen können (wie man das von investigativen Journalisten eben gewohnt ist), in der Beilage das Buch als pdf. So wie das iPhone ist das Buch übrigens auch noch nicht erschienen, Sie können sich den Bericht über „Damien First“ daher exklusiv sichern!

Mit herzlichen Grüßen, HT

14.9.2012 Sehr geehrter Herr Thurnhofer,

vielen Dank für Ihre originelle Rückmeldung.

Zum einen freut mich zu wissen, wer hinter dem Kunstraum steckt.

Zum anderen haben wir uns aufgrund Ihres Hinweises die Mühe gemacht, welche
Adjektive andere (Qualitäts-)Medien für das neue Iphone5 verwendet haben - ein
Überblick anbei.

Zu dem von Ihnen verwendeten Begriff Werbung: 
Dann wäre auch die Ankündigung in der heutigen Skyline eine Werbung
 - in dem Fall für Menasses Buch. Herzlichen Gruß afs ______________________________ Dr. Alexandra Föderl-Schmid Chefredakteurin DER STANDARD

 

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Sehr geehrter Herr Brandstätter,

sehr geehrte Frau Salomon,

wie ist es möglich, dass der Kurier (Ausgabe 13.9.2012) auf fast einer ganzen Seite Hofberichterstattung für die neue Version des iPhone macht? Nach welchen Richtlinien wird im Kurier Werbung von „Redaktion“ unterschieden? Und wie ist es möglich, dass jede österreichische „Qualitätszeitung“ – ja, offenbar jedes Medium dieser Welt, vom Boulevard bis zur Fachpresse – jeden Huster von Apple mit seitenlanger Gratis-PR beantwortet? Gerne möchte ich bei der Gelegenheit darum ersuchen, in einer der nächsten Ausgaben im gleichen Umfang meinen Kunstkrimi „Das Testament des Damien First“ zu bewerben. Ich kann Ihnen garantieren, dass dieses Buch mit Illustrationen von Ernst Zdrahal 100 mal mehr Innovationen und originelle Lösungen enthält, als das iPhone in der Version Nummer 5. Damit Sie (oder eine/r Ihrer RedakteurInnen ) diese Aussage auch umgehend überprüfen können (wie man das von kritischen Journalisten nicht anders kennt), in der Beilage das Buch als pdf. So wie das iPhone ist das Buch übrigens auch noch nicht erschienen, Sie können sich den Bericht über „Damien First“ daher exklusiv sichern!

Mit besten Grüßen, HT

 

14.9.2012 Sehr geehrter Herr Thurnhofer!
 
Mehrere Argumente sprechen für eine ausführliche Berichterstattung zum
neuen iPhone:
+ Apple ist aktuell die wertvollste Firma der Welt
+ Apple trägt wesentlich zur US-Wirtschaft bei
+ Apple ist eine der erfolgreichsten Firmen der vergangenen Jahre
+ Apple hat den Vertrieb von Unterhaltungsmedien (Musik, Buch, Film)
wesentlich verändert
+ Apple hat mit dem iPhone eine neue Gerätekategorie geschaffen, das
Modell ist das meistverkaufte Smartphone am Markt.
 
Wir sehen die Berichterstattung darüber auch als Leserservice. Sowohl
auf Kurier.at als auch Futurezone.at zählen Artikel zu Apple sowie
dessen iPhone mit Abstand zu den meistgelesenen Texten. 
Am Tag nach der iPhone5-Vorstellung und dem dazugehörigen Bericht
veröffentlichten wir einen Vergleich mit anderen Handy-Herstellern.
In Text und Grafik haben wir erläutert, wie das Gerät gegenüber den
Konkurrenten abschneidet (mittelmäßig). Weiters hatten wir im
vergangenen Jahr mehrmals Berichte über die widrigen Arbeitsbedingungen
in Apple/Foxconn-Werken und greifen auch diese negativen Aspekte auf.
 
Mit freundlichen Grüßen! Martina Salomon
 
Dr. Martina Salomon 
stv. Chefredakteurin 
KURIER Redaktionsgesmbh & Co KG

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