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Menschen mit Anstand spielen gern mit Understatement. Anstand ist erstens ein Zeichen dafür, dass man moralische Werte vertritt, aber noch mehr ein Beweis für Standes-Bewusstsein. Under-state-ment kann so in Kreisen des höchsten Standes zum Status-Symbol werden. Hans Dichand hat sich mit Intelligenz, Selbstbewusstsein, Talent, Fleiß und Ausdauer vom Barackenbewohner auf den Hochstand der Superreichen Österreichs katapultiert. Als „Zeitungszar“ wurde er oft tituliert, „Der letzte Zar“ war der Titel eines Nachrufs von Herbert Lackner im profil am 20.6.2010.

 

Dichand Vorhof 500

 

Hans Dichand wird nicht müde zu betonen, dass es ihm nie um Macht gegangen ist. Sein Wirkungsbereich sei der „Vorhof der Macht“ - so der Titel seiner Memoiren und ihr Leitmotiv. Das ist ebenso Understatement wie der Untertitel zur Autobiografie des Selfmade-Schillingmilliardärs: „Erinnerungen eines Journalisten“ (erschienen 1996).

 

Über den Versuch des Anwalts Dr. Rosenzweig, für den ÖGB den Krone-Gründern die Anteile abzuluchsen schreibt Dichand: „Einen solchen Gewaltakt mit dem Ziel eine große, politisch engagierte Tageszeitung mitten im Wahlkampf (1966) auszuschalten, hatte es in Österreich noch niemals gegeben. … Die ungesetzlichen Übergriffe gegen die ‚Kronen Zeitung‘ - nicht gegen ein Unternehmen, sondern gegen die Unabhängigkeit einer Zeitung – waren der spektakulärste Bruch verfassungsmäßig verbürgter Pressefreiheit in der Zweiten Republik“. Die Schlappe der SPÖ bei der Wahl 1966 sieht er als Folge dieses Übernahmeversuchs und der „allgemein kaltschnäuzigen Politik einiger mächtiger Funktionäre des SPÖ“.

 

Dichand zitiert den Herausgeber des Wirtschaftsmagazins „trend“: „Die ‚Krone‘ ist ein Machtfaktor. … Es gibt keine (Zeitung), die fast die Hälfte der Bevölkerung erreicht wie die ‚Krone‘ (derzeit 42,6 Prozent Reichweite) … Weil Hans Dichand seiner Zeitung diesen mächtigen Status erarbeitete, trägt er tatsächlich eine krone: jene des Mächtigsten im Land.“ Kommentar Dichand: „Helmut Gansterer hat natürlich übertrieben“.

 

Zum Konflikt mit Falk, der erstmals 1974 eskalierte, zitiert Dichand den „Presse“-Chefredakteur Thomas Chorherr: „Daß es dabei um ein Stück Macht in der Republik von morgen geht, um das, was aus dem Zeitungswesen noch wird, ist auch klar.“ Den internen Machtkampf mit seinem 50%-Partner und Geschäftsführer Kurt Falk hat Dichand bekanntlich gewonnen. 1987 hat es Dichand geschafft, den gigantischen Betrag von 2,2 Milliarden Schilling aufzubringen – der Hälfteanteil von Falk ging an die deutsche Mediengruppe WAZ. Und Dichand sicherte sich seine Hälfte (und demit einen Marktwert von 2,2 Milliarden Schilling) und darüber hinaus einen äußerst vorteilhaften Vertrag (Alleinentscheidung über die Redaktion und garantierte Vorabgewinne).

 

Dichand zitiert eine Rede von Kanzler Bruno Kreisky, die er vor Parteimitgliedern gehalten hat: „Hans Dichand wird jetzt übermütig, er will jetzt auch die Politik bestimmen. Ich warne euch, wenn das so weitergeht, dann wird in dem Land ein Mann bestimmen, wer die stärkste Partei wird.“ Und er zitiert Kreiskys Aussagen aus einem Interview mit dem Krone-Korrespondenten Hans Janitschek: „Hans Dichand ist ein großer Zeitungsmacher, vielleicht der größte der Nachkriegszeit. … Er wäre sicherlich ein guter Politiker geworden, aber da hat er immer nur vom ‚Vorhof der Macht‘ gesprochen, den er für sich in Anspruch nimmt. … Hans Dichand hat drei Zeitungen in Österreich groß gemacht – die ‚Kleine‘ in Graz und den ‚Kurier‘ und die ‚Krone in Wien. Das macht ihm so leicht keiner nach.“

 

In seinen Memoiren (3. Teil, 313f) schreibt Kreisky: „Die ‚Kronen-Zeitung‘ hat zur Wahlniederlage 1983 kräftig beigetragen. Wir sind durch die ‚Kronen-Zeitung‘ ein Opfer der bewußten Mißinterpretation unserer Zinsertragssteuer geworden: Sie wurde in eine Sparbuchsteuer umgeschwindelt. … Zilk, Dichand und Bacher, das ist ein Triumvirat, das die Medien beherrscht. Dazu kommen einige sie umgebende Krokodilvögel, die Mißbrauch mit den ihnen anvertrauten Millionen für Öffentlichkeitsarbeit treiben.“

 

Mit Genuss zitiert Dichand auch den „ultralinken Armin Thurnher“, auf den die Einschätzung der Krone als „Gedruckter Alptraum“ zurückgeht. Nicht unerwähnt lässt er, dass „ein bedeutender Journalist wie Herbert Riehl-Heyse aus München nach Wien kommt und einige Leute über Krone befragt“. Aus dessen Report: „Dichand ist ein Meister der Kampagnen – und gewiß ist das ein zweischneidiges Kompliment, das weiß er selbst, sonst würde er sich nicht bei jeder Gelegenheit so heftig gegen den Verdacht wehren, er sei ein mächtiger Mann in Österreich, mächtiger vielleicht als der Bundeskanzler.“

 

Nur über eine Macht lässt Dichand nichts kommen: die Wehrmacht. Er war kaum 18 Jahre alt, als er zu Marine eingezogen wurde, wo er bis zum Ende des Krieges gedient hat. Schon dort hat er als einfacher Soldat bis zum Kapitänspatent eine relativ steile Karriere gemacht und „wurde selbst Lehrer an der Navigationsschlue der Kriegsmarine in Libau, wo ich dann mit meiner Klasse von den sowjetischen Streitkräften eingeschlossen wurde.“ Rund 100 von 400 Seiten nehmen seine Kriegserinnerungen ein. An mehreren Stellen empört sich Dichand über die Parole „Soldaten sind Mörder“, denn der Teil der Wehrmacht, in der er selbst gedient hat, war offenbar immer weit weg von den Verbrechen, die SS und SA aber auch andere Teile der Wehrmacht ausgeübt haben. Von der Massenvernichtung an Juden hat er erstmals im Herbst 1944 gehört.

 

„Man kann die Geschehnisse von gestern nicht mit den Wertmaßstäben von heute messen. Schon gar nicht, wenn man die beschränkten Wahrnehmungsmöglichkeiten in einer Diktatur berücksichtig.“ Dichand hat mehrere Angriffe nur knapp überlebt. Die „Leverkusen, ein 10.000 Tonnen-Koloß“ wurde im Mittelmeer versenkt. Dichand schildert die Ereignisse und sein Erlösungsgefühl nach dem – für ihn – glücklichen Ende : „Der Torpedotreffer, … der Splitterregen der Bomben, der die kleinen Eisenteilchen mit feinem, hellen Klang vom Stahlhelm gellen ließ, das alles löste Angst aus. Aber dann war alle Furcht mit einem Schlag überwunden, als ob man den zur Verfügung stehenden Vorrat an Angst aufgebraucht hätte. Von da an war man dem Tod gegenüber völlig gleichgültig. … Mein Überleben erschien mir wie ein Geschenk. Das ist wohl die natürliche Reaktion auf die Überwindung des Todes – eine leidenschaftlichen Lebensbejahung, ein Gefühl völliger Gelöstheit und totalen Glücks.“

 

In einem eigenen Kapitel erklärt Dichand „Warum wir für Waldheim waren“. Die für seine Verhältnisse ziemlich pathetische Begründung: „Wir haben Partei ergriffen für Österreich und Waldheim, weil unser Land verleumdet worden ist, weil man Österreich als Nazi-Land bezeichnet hat.“ Die gemeinsame Vergangenheit in der Wehrmacht erklärt wohl mehr, als dieses Kapitel.

 

Reüsmee: Die Krone als Vorhof der Macht ist der Ort, den jeder Leser, jedes Mitglied der Krone-Familie, betreten kann sooft er/sie/es in dieser Zeitung blättert. Im Vorhof wird die Stimmung gemacht oder zumindest sichtbar gemacht, welche die Mächtigen hinter ihren Mauern nicht überhören und übergehen können. Die Zeitung, die in ihren besten Jahren im Vorhof der Macht erfolgreich agierte (nicht nur kommerziell, sondern auch politisch in Opposition zu den Herrschenden wie in Zwentendorf und Hainburg) ist nun endgültig im Hinterhof der Macht angelangt. Schon die Mauscheleien zwischen Kanzler Faymann und „Onkel Hans“ (news, 18.6.2009) waren Legende. Doch nun, da die Regierung zur Festigung der Corona-Herrschaft die Österreicher und Österreicherinnen mit Propaganda-Overkill überrollt, ist auch die Krone zum Hofberichterstatter aus dem Hinterhof der Macht geworden. Die Krone (so wie auch das Gratisblatt „Heute“, das zur Familie Dichand gehört) kassiert Jahr für Jahr Millionen-Beträge für Propaganda-Einschaltungen der Mächtigen (nicht erst seit dem Ausbruch der Corona-Herrschaft). Die ehrenwerte Forderung nach Abschaffung der Pressefreiheit (Hans Dichand) ist längst zur unverblümten Forderung nach immer mehr Geld aus dem Staatssäckel geworden (Eva Dichand). Siehe: Täglich HEUTE gegen ÖSTERREICH

 

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