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Die Retter der „österreichischen Identität“ haben eines gemeinsam: Sie machen sich damit wichtig, längst kanonisierte Werte zu verteidigen und die österreichische Identität damit ausschließlich als Produkt unserer Vergangenheit abzustempeln. Tatsache ist: Wenn fünf Klimt-Bilder außer Landes gebracht werden, hat das überhaupt keine Auswirkung auf unsere Identität, zumal dutzende Werke dieses Künstlers im Lande bleiben.

Die Argumente von WirtschaftsBlatt-Redakteur Gerhard Marschall ebenso wie von Hannes Androsch implizieren, dass es selbstverständlich sein müsste die Bilder von Gustav Klimt zurück zu kaufen. Jeder, der mit zeitgenössischer Kunst zu tun hat, muss sich wundern, mit welcher Larmoyanz da plötzlich Summen da sein sollen, die für die zeitgenösssiche Kunst in Jahrzehnten nicht aufgebracht werden.

Die IG Galerien würden jedenfalls begrüßen, wenn die Identitätsfindung eine stärkere Zukunftsorientierung bekäme, anstatt den Entscheid des Schiedsgerichts dadurch wieder zu konterkarieren, indem man die Klimt-Bilder geradezu impertinent für „Österreich“ bzw. die „österreichische Identität“ vereinnahmt.

Publiziert in WirtschaftsBlatt, 26. Janaur 2006, Seite 12

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