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Der Vergleich von Kunstwerken mit Aktien wird häufig gebracht. Wenn man Galeristen dazu befragt, so verweisen sie garantiert darauf, dass Kunst eine gute Geldanlage ist. Wenn man sie jedoch konkret über das Potenzial an Wertsteigerung der jeweiligen Kunstwerke befragt, so verweisen sie lieber darauf, dass der "wahre Wert" bzw. der "eigentliche Mehrwert" im Kunstgenuss liege.

Konkreter wird da schon ein Vergleich des Artprice-Index mit dem Weltaktien-Index. Demnach ist der Weltaktienindex von Anfang 1990 bis Ende 2005 trotz massivem Einbruch von 2000 bis 2003 um insgesamt 168 Prozent gestiegen. Der Artprice-Index ist im gleichen Zeitraum, nachdem er sich von 1990 bis 1992 praktisch halbiert hat, erst in den vergangen zwei jahren wieder gestiegen, unterm Strich bleibt für die vergangenen 15 Jahre ein schwaches Plus von vier Prozent. (Quelle: Format Nr 15, 14. April 2006)

Die Frage, ob sich die Preise bei Aktien und Kunstwerken parallel oder gegenläufig entwickeln, ist bislang untentschieden. "Alle verfügbaren Statistiken zeigen bis jetzt, dass Kunst als Anlagemedium auf lange Sicht mit den Finanzmärkten positiv korreliert", meint Petra Arends, Executive Director Art Banking der UBS (ArtInvestor, S. 229). Dagegen hält der Art Consultant Thomas Gonzáles: "Die von der der Börse enttäuschten Großanleger, die schon seit Beginn der 80er Jahre die Wertzuwächse am Kunstmarkt beobachtet hatten, investierten nun (Anm: nach dem Börsencrash 1987) verstärkt in Kunst. ... Die Preise im Kunstmarkt stiegen deshalb innerhalb weniger Monate ins Unermessliche und das Marktvolumen verdreifachte sich im Zeitraum von 1987 bis 1989 auf ca. 4,5 Milliarden Dollar." (ArtInvestor, S. 81)

Grundsätzlich ist der Kunstmarkt eher mit dem Aktienmarkt als mit anderen Märkten vergleichbar. Während sich der Preis eines Autos aus Produktionskosten und dem Markenwert rational berechnen lässt und deshalb auch vergleichbare Produkte in einem vergleichbaren Preissegment liegen, können sowohl im Aktienmarkt als auch im Kunstmarkt irrationale Faktoren zu gewaltigen Preisausschlägen führen.  Preissprünge, die im Automobilmarkt wohl kaum möglich wären. Selbst ein Ferrari übersteigt kaum den zehnfachen Preis eines Mittelklassewagens. Dagegen können Aktien wie Google innerhalb weniger Monate einen Börsenwert erreichen, der den Wert alteingesessener Weltkonzerne übertrifft. Ebenso können Shooting Stars der Kunstwelt in kürzester Zeit von 0 auf 100 durchstarten, so wie zuletzt Vertreter der Leipziger Schule.

Diese Ausreißer, die natürlich auch nach unten möglich sind, sollte man aber nicht überbewerten, auch wenn sie medienwirksam sind und so zu schneller Berühmtheit gelangen. Wer nicht nur  mit einer einzigen "Aktie" an der Wand spekuliert, sondern sein Portfolio an Künstlern und Kunstwerken so breit streut wie sein Aktienportfolio, der hat gute Chancen, dass der Wert seines Portfolios schneller steigt, als wenn er sein Geld auf das Sparbuch legen würde. Insofern sind Aktien und Kunstwerke durchaus vergleichbar. Auf jeden Fall ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kunstwerk seinen ökonomischen Wert behält bzw. den einmal bezahlten Preis  beim Weiterverkauf übertrifft, garantiert höher als beim Kauf eines Autos, dessen Wert bereits nach dem ersten gefahrenen Kilometer rapid zu sinken beginnt.

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