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Wien (05.02.2006) Der "Denker", eine Bronzeskulptur des jungen Wiener Bildhauers Alex Jiresch, wurde Opfer eines Kunstdiebstahls. Ausgestellt im Kunstraum in den Ringstrassen Galerien, hat der Täter vergangene Woche zugeschlagen. "Der Medienhype um den Saliera-Dieb Robert Mang hat offenbar einen Nachahmungstäter stimuliert, sich in unserer Galerie zu bedienen", vermutet Hubert Thurnhofer, Leiter des Kunstraums und Präsident der IG Galerien, und verweist darauf, dass gerade im Umfeld der laufenden Berichterstattung der erste Kunstdiebstahl in seiner 11-jährigen Galeriegeschichte passiert ist. http://www.thurnhofer.cc

Der Kunstrechtsexperte Dr. Andreas Cwitkovits äußert ähnliche Befürchtungen: "Unser Gentleman-Ganove wird wohl kaum mehr in Museen einsteigen. Doch kann ich mir vorstellen, dass andere schon an einschlägigen Planungen arbeiten. Es muss ja nicht unbedingt das Kunsthistorische sein, schlimm genug, wenn Dorfkirchen ausgeräumt werden." Wenn Medien Verbrecher mit Attributen wie "Meisterdieb" (Kronen Zeitung) oder "Gentlemen-Lover" (News) hochjubeln, so stellt sich auch die Frage nach der Verantwortung der Zeitungsmacher. Sogar das sonst seriöse Wirtschaftsmagazin trend (Ausgabe 2/2006) hat Robert Mang zum "Mann des Monats" gewählt und der Republik empfohlen, eine "Robert-Mang-Task-Force" einzurichten, "um Schwachstellen besser sichtbar zu machen."

Rechtsanwalt Cwitkovits plädiert daher für mehr Sachlichkeit in der Berichterstattung: "Ich bin dafür, dass man die moralisch-politisch-journalistische (und humoristische) Seite strikt von der juristischen trennt: Unser demokratischer Staat hat sich ein Strafrecht gegeben, das Stehlen verbietet und das Ausmaß der Strafe an den eingetretenen oder drohenden Schaden knüpft. Bekanntlich trägt Justitia eine Augenbinde als Symbol dafür, dass die Rechtsprechung sich nicht von Sympathie oder Antipathie beeinflussen lassen darf. Deshalb mag die offenbare Humorlosigkeit des Herrn Staatsanwalts zwar auch wenig cool sein, aber in der Sache hat er schon recht. Es kann gut sein, dass gerade die Sicht vieler Medien, es handle sich im Grunde um ein Kavaliersdelikt, zu besonders intensiven generalpräventiven Überlegungen der Strafrichter und zur Verhängung einer ungewöhnlich strengen Strafe beitragen. Mein Mitgefühl für den "Mann des Monats" ist trotzdem begrenzt." http://www.kunstrecht.at/


Im Falle des Diebstahls der Skulptur "Der Denker" von Alex Jiresch könnte eine Verwechslung vorliegen. Der "Denker" ist eine Reminiszenz auf die weltberühmte, längst zur Ikone gewordene Skulptur von Auguste Rodin, die Jiresch in die Formensprache von Fritz Wotruba übersetzt hat. Auch in anderen Arbeiten erinnert der Stil des 1972 geborenen Künstlers, der 1995 bis 2001 Assistent des New Yorker Bildhauers Roland Tandafir war, an Fritz Wotruba. "Es kann leicht sein, dass ein mäßig informierter Langfinger die Skulptur von Jiresch für eine Wotruba-Plastik gehalten hat", vermutet der geschädigte Galerist und bittet um zweckdienliche Hinweise.

"Denker", Bronze dunkel patiniert
Nummeriert: 3/7
Höhe ca. 25 cm, Grundfläche ca 10x12 cm

Die Nummer eins der sieben Abgüsse des "Denker" sowie weitere Skulpturen von Alex Jiresch können nach wie vor in der Galerie der Kunstraum besichtigt werden.

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