logo

bild

Jetzt überstürzen sich die Gazetten mit Nachrufen auf den großen Sammler. Doch Essl hat sein Spiel gespielt. Auch wenn er seine christliche Ethik gerne zur Sprache gebracht hat, sein Ego als Sammler war letztlich immer größer als die christliche Nächstenliebe (jedenfalls haben das sehr viele Künstler so erlebt).

 

EsslMuseum Kurier

„Mit dem Essl Museum verliert Österreich nicht nur den vielleicht offensten und freundlichsten Ort des Landes, an dem zeitgenössischer Kunst zu begegnen ist: Nach Generali Foundation und Bawag Contemporary hört die langlebigste private Institution für Gegenwartskunst auf, die Bundeshauptstadt bzw. ihre Umgebung zu bespielen. Die "TBA 21" dürfte bald folgen“, schreibt der KURIER-Kunstkritiker Michael Huber.

 

"Die Bundeshauptstadt... zu bespielen" - diese Wortwahl zeigt, dass Kunst als private Spielwiese von Unternehmern oder Unternehmen zur Behübschung des Headquarters oder der Corporate Identity gesehen wird. Solange das aus der Portokasse machbar ist, läuft es gut. Wenn die Quersubventionierung nicht mehr möglich ist, dann soll der Staat einspringen, meint Huber:

 

„Die Kulturpolitik wäscht ihre Hände in Unschuld: Staatlichen Häusern wird zwar stets verordnet, auf privates Engagement zu bauen – im Härtefall bleibt Kunst aber Privatvergnügen. Den Schritt, Sammler auch als Kulturträger ernst zu nehmen, hat Österreich nie vollzogen. Obwohl viele öffentliche Museen heute ohne sie ziemlich leer wären.“

 

"Die Bundeshauptstadt... zu bespielen" – diese Wortwahl übersieht, dass es in Österreich keinen nennenswerten Kunstmarkt gibt, in dem Kunstinvestment als Businessmodell funktioniert. Sogar ein Wirtschaftskapazunder wie Herbert W. Liaunig betreibt sein Museum wie einen Rosengarten – ohne jegliche Absicht, daraus einen Return on Investment zu erzielen oder gar einen Gewinn abzuschöpfen. Er leistet sich zwar den Rosengarten, aber ein laufender Museumsbetrieb ist offenbar wirtschaftlich nicht darstellbar. Zumindest nicht in Österreich.

 

Wenn die Politik gefordert ist, dann nicht als Ersatz für private Subventionsgeber, sondern als Gesetzgeber, der Rahmenbedingungen schafft, in dem Kunstkauf attraktiver wird. Nicht durch Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 13 Prozent, sondern durch die Möglichkeit, Kunstwerke steuerlich abzusetzen.

 

Und die Museen, ob Privatmuseen oder staatliche Museen, sollten - im eigenen Interesse - einmal darüber nachdenken, wie sie den Kunstmarkt beleben könnten.
- Sicher nicht dadurch, dass sie so tun, als müssten sie der Welt beweisen, dass sie in der internationalen Liga mitspielen können und mehr Geld für den internationalen Leih-Zirkus ausgeben als für Ankäufe.
- Sicher nicht dadurch, dass sie ihren Wahrnehmungshorizont prinzipiell nicht proaktiv erweitern.
Damit meine ich, dass Museum fast immer nur zeigen, was andere Museen bereits kanonisiert oder mindestens approbiert haben, und fast nie das, was thematisch, ästhetisch und qualitativ zu einer konkreten Ausstellung passen würde (z.B. Jeff Koons im Naturhistorischen Museum).

EsslMuseum Nachrufe

Olga Kronsteiner (derStandard.at) schreibt: „Theoretisch würden Karlheinz und Agnes Essl 2017 das 45-jährige Gründungsjubiläum ihrer Sammlung zelebrieren, … Praktisch muss eine etwaige Jubiläumsschau kommendes Jahr ausgelagert werden. Denn wie Karlheinz Essl im Rahmen einer Pressekonferenz am Dienstag verlautbarte, wird das Museum nach knapp 17 Jahren mit 1. Juli 2016 seine Pforten schließen. … 2015 hat das Land Niederösterreich etwa 460.000 Euro zugeschossen. In etwa dieser Größenordnung war auch eine Subvention für 2016 geplant, wie Kulturabteilungsleiter Hermann Dikowitsch auf Anfrage bestätigt. Laut einer Aussendung des Essl-Museums wäre dies jedoch an die Bedingung geknüpft gewesen, dass auch der Bund einen wesentlichen Beitrag leistet. Die von Essl und Haselsteiner einträchtig geforderte Zusage dafür blieb aus.“

 

Ein gewisser Carlos Columnos postet auf derStandard.at:
"Stimmt das, dass nun übergangsmäßig Flüchtlinge untergebracht werden sollen? Im Text steht nämlich gar nichts darüber..."
In der Logik des Starkults schlage ich vor das Museum Ai Wei Wei zu übergeben. Der hat sicher eine Idee für ein Kunstprojekt mit Flüchtlingen. (Siehe salzburg.com)

In der Logik der christlichen Ethik, die Essl immer gepredigt hat, schlage ich vor, das Museum für Kooperationen mit Galerien und Kunstvereinen zu öffnen. Durch solche Kooperationen könnte zwar kein laufender Betrieb mit 40 Angestellten finanziert werden, aber das Museum immer wieder für Einzelprojekte geöffnet werden.

 

120 Maria Theresia 300 J