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Meyers Konversationslexikon aus dem Jahre 1888 gibt Auskunft

Kunst (von Können),
im weitesten Sinn des Wortes jede zur Fertigkeit erhobene Fähigkeit sinnlicher Darstellung eines (bedingt oder unbedingt) wertvollen Gehalts, sei es um seiner selbst, sei es um eines anderen Zweckes willen.

 

Kunst Meyers


Dieselbe setzt daher jedesmal eine spezifische Anlage (Talent, Genie) und deren durch Übung zur vollen Beherrschung sowohl des Gehalts, welcher, als des sinnlichen Stoffes, in welche er dargestellt werden soll, gelangte Entwicklung voraus; jenes macht die theoretische, dieses die technische Kenntnis, die Ausübung selbst die Technik der K. aus.
Die (angeborene oder erworbene) Leichtigkeit der Darstellung, welche dieselbe (als höchsten Grad beim künstlerischen Genie) wie eine ohne Bewußtsein spielend vollzogene erscheinen läßt, unterscheidet die "heitere" K. von der "ernsten" Arbeit, welche die Anstrengung merken läßt; die (mehr oder minder lebhafte) Anschaulichkeit der Darstellung unterscheidet die K. von der Wissenschaft, welche begrifflich (abstrakt) darstellt.
Der nur bedingte Wert des dargestellten Gehalts (des Nützlichen und Angenehmen) begründet den Unterschied der niederen (relativen) von der höheren (absoluten) K., bei welcher der Wert des Dargestellten (der Idee des Wahren, des Guten, des Schönen) unbedingt ist, der Umstand, ob die Darstellung Selbstzweck oder Mittel ist, jenen der freien (selbständigen) oder unfreien (dienenden) K.

 

120 Maria Theresia 300 J